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Frequently Asked Questions
Eigentlich nicht. Ich wurde belästigt und nenne es beim Namen. Im besten Falle kann ich die Person identifizieren und mich und andere Betroffene stärken, indem ich eine Gegenöffentlichkeit schaffe. Welcher Teil davon „schädigt“ den Angreifer?!
Wir gehen generell nicht davon aus, dass sich Menschen aus Langeweile, Willkür, Mangel an Hobbies oder purer Bösartigkeit die Zeit nehmen, ihre Geschichten aufzuschreiben und einzusenden. Warum sollte das der Fall sein? Im Gegenteil: Street Harassment, sexuelle Belästigung oder Vergewaltigungen sind real und finden (all)täglich statt. Das Komische ist nur, dass wir mit der Entscheidung, NICHT DARÜBER ZU SCHWEIGEN, als unglaubwürdig gebrandmarkt werden. Warum das so ist, kann mensch zum Beispiel auf dem Blog des SlutWalk Berlin nachlesen. Vergewaltigungsmythen- und verharmlosungen dominieren den öffentlichen Diskurs – anstelle von Opferschutz, Empowerment und Gerechtigkeit.
Und ja, es gibt auch Frauen, die keine perfekten Menschen sind und schon mal gelogen haben. Warum genau das aber ALLE unglaubwürdig machen soll, und wir darum an uns und unseren Erfahrungen zweifeln sollen, erschließt sich uns daraus jedoch nicht.
Tatsächlich basiert die Stärke der New Yorker HollaBack! Bewegung darin, mit der Handykamera Bilder der Angreifer_innen zu machen und diese auf dem Blog zu veröffentlichen. Es gibt auch eine Iphone App zu diesem Zweck.
Aber, wir hier in Deutschland haben andere Gesetze und dadurch einen anderen Handlungsspielraum. Wir veröffentlichen keine Bilder von Täter_Innnen auf dem Blog – das könnte für uns als auch für die Einsender_innen Folgen haben, und das wollen wir nicht.
Ein Foto der belästigenden Person zu machen, kann auch gefährlich sein – die Person kann sich ertappt fühlen und noch aggressiver reagieren, als sowieso schon. Denn nochmal zur Erklärung: die Belästigung war schon der Angriff! Diese Form der Aggression – meist sexualisiert – basiert auf einer Schieflage im Genderverständnis. Bestimmte Körper sollen verfügbar, benutzbar und unterwürfig sein. Street Harassment ist nichts anderes als Kontrolle des (öffentlichen) Raumes – wer darf wann, wie, wo sein? Wie wird Raum benutzt und kontrolliert? Wer sitzt breitbeinig in der U-Bahn und wer macht sich klein und versucht, zu verschwinden, weil die männliche Aggression und Raumnahme zu bedrohlich scheinen?
Ja! Wer Zeug_in oder an einer Situation indirekt beteiligt war, kann dies auch aus dieser Perspektive heraus aufschreiben und einsenden.
Also, eine Freundin von mir hat neulich erzählt, sie mag es, wenn Männer ihr nachpfeifen. Wieso habt ihr ein Problem damit?
Sie mag Nachpfeifen nicht belästigend finden, andere Frauen schon. Und selbst wenn sie das Nachpfeifen nicht stört – es ist keine Einladung für weitere „Annäherungsversuche“. Manche von uns haben sich auch einfach an solche Sachen gewöhnt.
Wissen wir nicht. Ist ja auch keine Täterplattform hier, sondern eine für Betroffene, Genervte und Es-Satt-Habende! Und Gegenöffentlichkeit ist immer gut. Erstmal muss ein Diskurs über gesellschaftliche Schieflagen angestoßen werden, dann können wir auch anfangen, darüber zu reden. In erste Linie ist HollaBack! Düsseldorf eine Empowerment- und Vernetzungsplattform. Was die übergriffige Person davon hält, ist zweitrangig. Und wovon sich Menschen abhalten lassen, das können wir leider nur beschränkt beeinflussen. Dafür gibt es im Besten Fall Gesetze oder die Polizei – die sind übrigens unter 110, 24/7 telefonisch erreichbar!
Schön! Wir auch. Aber: Flirten und Belästigung sind nicht die gleiche Sache.
Ja, Klassiker! Die „Anderen“ sind ja immer viel schlimmer und Deutschland ist sowieso ein absolut paradiesischer Ort. Für anderswo gibt es übrigens eine Reihe von lokalen ihollaback.org Webseiten. Wir finden Rassismus, Xenophobie, Ethnochauvinismus und verallgemeinernde Zuschreibungen unpassend.
Gechrieben von: Hollaback!Berlin (http://berlin.ihollaback.org/)