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Mein Erlebnis mit Street Harassment
Eine gute Freundin und ich spazierten durch die Straßen, als wir auf der anderen Straßenseite einen Mann bemerkten, der mit dem Gesicht zur Wand eines Wohnhauses stand – an seiner Haltung war zu erkennen, dass er dabei war zu urinieren. Es war Abend gegen 9 Uhr und einige Menschen waren noch unterwegs – dementsprechend erschien uns dieses Verhalten bereits sehr unangebracht. Auch er musste uns bemerkt haben, denn genau in dem Moment als wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf seiner Höhe waren drehte er sich um und zeigte uns seinen Penis, während er diesen noch in der Hand hielt. Erschrocken über diese Entblößung und unangenehm berührt gingen wir schnellen Schrittes weiter – ein Gefühl der Angst stiegt in uns hoch: warum hatte dieser Typ uns das getan? Was war sein Motiv dahinter? Was für ein kranker Streich konnte das gewesen sein?
Im Gespräch darüber bemerkten wir, dass wir nervös waren und ärgerten uns, dass er es tatsächlich geschafft hatte uns zu verunsichern. Nachdem wir zunächst einfach schnell weiter gegangen waren – empört und in der Hoffnung den Anblick schnellstmöglich zu vergessen, bemerkten wir, dass dieser Typ uns mit größerem Abstand gefolgt war. Was tun?
Wie gesagt war es noch nicht allzu spät, jedoch entfernten wir uns immer mehr von den belebteren Straßen der Stadt, was unsere Angst noch steigerte. Wir fassten den Entschluss, umzukehren und uns an anderen Menschen zu orientieren, um dann schnellstmöglich den Heimweg anzutreten. Bei der Kehrtwende sahen wir den Mann, wie der sich hastig in einen Türeingang stellte, vermutlich um sich vor uns zu verstecken. Das Ganze kam mir vor wie die Szene aus einem Film und ich wollte einfach weg. Was war mit diesem Kerl los?
Kurzerhand nahmen meine Freundin und ich uns ein Taxi, das uns glücklicherweise auf der Straße entgegenkam, und ließen uns bis vor die Haustür fahren. Erst oben angekommen fühlten wir uns sicher, das Erlebnis und der Gedanke an das, was hätte passieren können hinterließ jedoch einen bitteren Nachgeschmack, sowie Gefühle von Ekel und Wut.
,,Hey Süße, du kannst auch bei mir schlafen“
Das Resultat stundenlangem Warten war meine erste Erfahrung mit Street-Harassment hier in Düsseldorf. Aufgrund eines Missverständnisses mit meiner Mitbewohnerin stand ich ohne Schlüssel vor unserer Haustür im Dunkeln und keine meiner Mitbewohnerinnen war da. Ohne Handy und Jacke befand ich mich mit meinen Sportsachen vor unserem Hauseingang und drückte alle Klingeln, die es gab, um wenigstens in den Hausflur zu gelangen. Mir war so kalt und ich wollte nur noch aus der dunklen Straße weg, wo jedoch ab und zu Passanten vorbei kamen und dies meine Angst zurück hielt.
Als ich mich in den Hauseingang setze, fiel ich einigen männlichen Jugendlichen auf, die sich näherten und ihre Frage: ,,Na, kommste nicht rein?“ mit dem Angebot, dass ich auch bei Ihnen schlafen könnte selbst kommentierten.
Mir war die Situation unangenehm, da sie ungefähr fünf Männer waren und körperlich sichtlich überlegen wirkten. Um meine Unsicherheit runter zu spielen und meine alleinige Anwesenheit zu verneinen, sagte ich: ,,Nee, ich warte nur auf eine Freundin, die gleich rauskommt.“ Damit versuchte ich sicher und cool zu wirken, da Ignoranz manchmal Aggressionen auslösen bzw. Angst und Schüchternheit ausdrücken kann und ich wollte kein unterdrücktes Mädchen repräsentieren.
Trotz meiner Aussage blieben die Typen zwei Meter neben dem Hauseingang stehen und spielten mit ihren Handys. Ich versuchte ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken, beobachtete jedoch genau all ihre Bewegungen aus dem Blickwinkel. Als dann endlich das Flurlicht anging und eine Frau von innen die Tür öffnete, fiel mir ein Stein vom Herzen und erst jetzt realisierte ich, dass ich Angst gehabt hatte. Ohne Handy fühlte ich mich doch unsicherer. Die einzige Sicherheit gab mir die in 100-Meter-Luftlinie entfernte Polizeistation, die ich im Sprint hätte erreichen können, wenn die Männer mich weiter belästigt hätten.
Im Flur war mir weiterhin kalt, jedoch fühlte ich mich hier durch die Haustür zur Straße geschützt. Sodass ich die restliche Wartezeit auf meine Mitbewohnerinnen ruhig auf der Treppe verbrachte.
Aus dieser Geschichte nehme ich mit, dass das Handy nicht nur zum Facebook-Chatten nützlich ist, sondern in bestimmten Situationen Sicherheit gibt.